Preisverleihung
Beton von der Muse geküsst
Bernd Jäger zeigt, wie der Silo auf der Fotomontage aussehen soll. Daneben Jurymitglied Monika Rosenberger, zweiter Preisträger Robin Jäger, erster Preis für Nadine Saidi, ein Sonderpreis gehalten durch Jurymitglied Felix Starosta und dritter Preis für Andre Huber.
Das "Ding" ist groß und grau. Zehn Meter hoch, fünf Meter im Durchmesser. Man ist froh, dass es im Industriegebiet Vockenhausen in Villingen steht, weit weg von der Öffentlichkeit. Gemeint ist der Spänesilo der Schreinerei Hirt und Butz. Wobei: In wenigen Wochen wäre es durchaus hübsch, diesen (noch) hässlichen Zweckbau in der Innenstadt zu haben. Der wird jetzt nämlich von der Muse farbig geküsst. Zumindest sinnbildlich gesprochen.
Für die "IMTA" - die "Internationale Musische Tagung", die am 8. Mai ein Kulturfestival mit 90 Schulen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis nach Villingen bringen wird - haben sich zwölf Gruppen mit 300 Schüler von acht Schulen im Kreis so ihre Gedanken gemacht, wie man diesen Silo verschönern könnte. Und reichten drei Dutzend Modelle im Maßstab 1:20 ein, die eine Jury begutachtete. 500 Euro Preisgeld waren ausgelobt für den besten Entwurf.
Doch die Jury hatte die Qual der Wahl, so viele gute Ideen waren unter den Modellen. Schließlich der rettende Einfall. Das Preisgeld wurde gerecht unter den drei ersten Plätzen und einem Sonderpreis für die "besondere" Idee verteilt. Die "besondere" Idee gefiel dem Chef der Schreinerei, Martin Butz. Das Motiv: Von links kommen die Bäume aus dem Wald in die Schreinerei hinein und fallen rechts als Möbel wieder hinaus. Wenn das mal so einfach wäre
Originalität zahlt sich jedenfalls aus und ist einen Sonderpreis, der an die Realschule Bad Dürrheim geht, wert. Das Rennen allerdings machte Nadine Saidi für die Bickebergschule in Villingen, dicht gefolgt von Robin Jäger, der seine Arbeit für die St. Ursula Schulen Villingen eingebracht hatte. Dass hier kein Interessenskonflikt stattgefunden habe, versichert Bernd Jäger, der für das Schulamt dieses Projekt in Gang gesetzt hatte. Immerhin ist er Vater des zweiten Preisträgers. Deshalb hatte er sich völlig aus dem Entscheidungsprozess herausgehalten.
Den dritten Platz belegt das Hoptbühl Gymnasium mit Andre Huber, lange der Jury-Favorit. Allerdings, so Monika Rosenberger, Kunstlehrerin an der Villinger Warenbergschule, letztlich fiel die Wahl auf die klaren Linien von Nadine Saidi. Nun muss der Maler ran an den Silo und das triste Grau.
Und dann ein Tieflader, der das "Ding" auf den Villinger Latschariplatz fährt. Für alle zum Gucken. Wunschdenken, darf ja sein.
Uwe Spille

